Wir müssen uns trauen, anders zu denken
Ein Blick in die Kristallkugel: Die feste Fehmarnquerung wird die wirtschaftliche Entwicklung im gesamten STRING-Korridor positiv beeinflussen. Inwieweit die Region zwischen den Metropolen Hamburg und Kopenhagen/Malmö das Nachsehen haben wird, hängt von den Unternehmen und der Politik selber ab. Aber Lolland und Ostholstein werden zu einem Hit. Wenn der politische Wille vorhanden ist, so der Vorsitzende der STRING-Kooperation, Henrik Appel.

Henrik Appel hat keine Zweifel: Wenn erst einmal die feste Fehmarnquerung Realität geworden ist, werden viele globale Unternehmen ernsthaft erwägen, ihre Hauptquartiere in den STRING-Korridor zwischen Hamburg und der Region um den Öresund herum zu verlegen. 

- Das leuchtet doch ein, sagt Henrik Appel. Weil wir schon jetzt über eine gute Infrastruktur mit ausgebautem Strassennetz, Eisenbahnlinien und Häfen verfügen, die mit der festen Querung und den dazugehörigen modernisierten Hinterlandanbindungen eine gewaltige Qualitätssteigerung erfahren wird. Es gibt zwei Flughäfen, einen in Hamburg und einen in Kopenhagen. Der Kopenhagener Flughafen entwickelt sich stetig zu einem der bedeutendsten nordeuropäischen Drehscheiben im Luftverkehr für den Tourismus und für Geschäftsreisende, die entweder Urlaub in der STRING-Region machen, oder hier arbeiten. Wir verfügen über gut ausgebildete Arbeitskraft. Wir verfügen über viele gute Bildungs- und Forschungsinstitutionen mit hohem Qualitätsniveau. Es gibt ein stetig wachsendes Potenzial für Branchen wie Cleantec, die Pharmaindustrie, sowie für Transport/Logistik, die ohnehin schon grenzüberschreitend und global tätig ist, betont Appel.    

"Think global"

Daher meint Henrik Appel, dass man die STRING-Region in einem europäischen und globalen Kontext sehen muss. Es drehe sich nicht mehr nur om die Metropolregionen Hamburg und Kopenhagen/Malmö, Skåne, Schleswig-Holstein oder Sjælland:

- Und es geht nicht mehr nur rum Schienen und Tunnelelemente aus Beton. In meinen Augen ist die weitere Entwicklung der STRING-Region im Zuge der festen Querung eine zwingende Notwendigkeit, wenn diese Region im globalen Zusammenhang nicht abgehängt werden soll.  Wir benötigen nachhaltiges Wachstum, das auf die Stärken der Region aufbaut, sagt Henrik Appel.

- Es ist zwingend notwendig, dass wir jetzt umdenken, wenn wir eine grenzüberschreitende europäische Region schaffen wollen, die vielleicht sogar als Rollenmodell für andere Regionen in Europa dienen könnte, meint Appel.

- Und das mit dem Umdenken bedeutet zugleich, dass wir Lösungen zum Abbau der Barrieren finden müssen, die noch immer die Integration erschweren. Sodass die Leute ohne Weiteres von Hamburg nach Kopenhagen ziehen können, von Kiel nach Malmö. Oder von Plön nach Lund. Dass wir Green Card-Vereinbarungen treffen und umsetzen, sodass  Unternehmen speziell augebildete Arbeitskraft hinzuziehen kann, wenn ein besonderer Bedarf dafür entsteht. Es ist von Wichtigkeit, dass Politiker und Behörden, auch auf nationaler und auf EU-Ebene, sich dafür einsetzen, dass Steuer- und Sozialsysteme kompatibel werden. Dass es für die Bürger leichter wird, sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden , indem dann nur ein Eingang zu Behörden und Dienstleistern in der neuen Lebens- und Arbeitsumgebung geschaffen wird, sagt Appel.  Er denke dabei an eine erste Intiative auf diesem Gebiet in der STRING-Region, der Einrichtung des International House in Kopenhagen.  

Think big

- In der STRING-Region müssen wir uns uns neuer, umweltfreundlicher Technologien bedienen, um Mobilität und Flexibilität als Grundlage für nachhaltiges Wachstum fördern zu können, betont Henrik Appel.

- Deshalb ist es wichtig, dass beispielsweise der Ausbau des ungehinderten Zugangs zu fossilfreien Treibstoffen erleichtert wird. Dass es weitere "Tankstellen" für Strom, Wasserstoff, Erdgas für Fahrzeuge aller Art geben muss. Alleine der Ausbau eines solchen Netzes und dessen Betrieb schafft Arbeitsplätze. Auch in der Geographie zwischen den Metropolregionen, pointiert Henrik Appel. 

Hochloben und Heruntermachen

Es gab neulich einige Diskkusion darüber, inwiefern die Regionen zwischen den Metropolen Hamburg und Kopenhagen nichts von der Entwicklung haben würden. Und darüber, welches Bild eigentlich medial von zum Beispiel Lolland als eine Gegend ohne Wachstrum, mit sozialer Schlagseite, Arbeitslosigkeit und ohne Perspektive vermittelt worden ist.

- Man kann Probleme heraufbeschwören und alles schwarzmalen..Aber man kann sie auch nehmen wie sie in Wirklichkeit sind, meint Henrik Appel, der daran glaubt, dass die noch strukturschwachen Randgebiete auf Sicht ein Hit werden könnten. Aber die Politik und die Wirtschaft müsse das wollen.

- Wir sehen explosive Immobilien- und Mietpreise in Kopenhagen und in Hamburg. Aber kein Mensch sagt, dass wir alle in der Stadt wohnen müssen. Viele Kinderfamilien ziehen schon heute ins Umland. Aber es müssen auch bessere Vorraussetzungen geschaffen werden: Zum Beispiel schnelle Bahnverbindungen, mit denen man schnell, umweltfreundlich und pünktlich zum Job in den Städten pendeln kann. Das setzt zugleich voraus, dass wir uns gut überlegen, wo die neuen Bahnhöfe und der schnelle  Zugang zu denen an den neuen Bahnlinien angelegt werden, sagt Henrik Appel.

Und gelänge es,  die Entwicklung in diese Richtung weiter zu beinflussen, würde man auch weitere neue Branchen, neue Betriebe, kleinere wie grössere,  in der Region entehen sehen, meint der STRING- Vorsitzende.

- Es sind die Politiker und die Wirtschaft, die den Schlüssel zu dieser Entwicklung in der Hand haben. Es sind diejenigen, die den Rahmen und die basalen Bedingungen schaffen müssen. Das würde unsere  Wachstumsagenda weiter stärken, so Henrik Appel.