Klares Nein zu Olympia in Hamburg
30-11-2015Tourism & Culture
Die Hamburger haben Olympia in ihrer Stadt abgelehnt. Im Referendum stimmte eine deutliche Mehrheit gegen eine Bewerbung um die Sommerspiele 2024. Kopenhagener Oberbürgermeister ist enttäuscht und kritisch zugleich.

Die Hamburger Bürger haben einer Olympia-Bewerbung der Hansestadt im Jahr 2024 eine klare Absage erteilt. Beim Referendum am 29. November stimmten die Wahlberechtigten mit 51,6 Prozent für Nein.  Etwa 650.000 der 1,3 Millionen Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von 50,1 Prozent.

In Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt Kiel, das die Segelwettbewerbe hätte ausrichten sollen, waren zwar 65,57 Prozent für Olympia in ihrer Stadt. Doch die Zwei-Drittel-Mehrheit war ohne Bedeutung für das Gesamtergebnis. Die Abstimmungsbeteiligung in Kiel lag bei schmalen 31,71 Prozent.

Das endgültige amtliche Endergebnis wird erst nach Auszählung der Briefstimmen im Dezember bekannt gegeben.

Politiker geschockt

Noch am Abend des Referendums traten Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), die stellvertretende Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) und der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) Alfons Hörmann im Rathaus der Stadt vor die Presse.

Dabei sagte Olaf Scholz unter anderen dem NDR gegenüber: "Hamburg wird sich nicht um die Ausrichtung Olympischer und Paraolympischer Spiele bewerben. Ich hätte mir eine andere Entscheidung gewünscht, aber sie ist klar, und das Ergebnis ist zu akzeptieren."

Olaf Scholz hatte die Olympia-Bewerbung als wichtigstes Projekt der Legislaturperiode ausgegeben. Die Stadtentwicklung sollte bis 2024 auf einen Stand gebracht werden, der normalerweise 20 bis 30 Jahre in Anspruch genommen hätte.

Hamburgs 2. Bürgermeisterin Katharina Fegebank zeigte sich "persönlich enttäuscht" und kommentierte: "Wir wollten Spiele der Vielen und nicht von und für eine Minderheit."

Stark betroffen vom Ergebnis des Olympia-Referendums zeigte sich der Präsident des DOSB, Alfons Hörmann: "Für Sportdeutschland ist das Ergebnis ein herber Tief- und Rückschlag. Wir sind mit Hamburg aufgebrochen, um Sportdeutschland neue Perspektiven zu geben - diese Chance für die nächste Generation ist nun nicht gegeben."


Kopenhagen: Ärgerlich


Die Bürgermeister von Hamburg und Kopenhagen hatten kürzlich gemeinsam laut und wiederholt über die Idee einer OL-Zusammenarbeit nachgedacht. Unter anderem war die Rede von einem Radrennen im Hamburg-Kopenhagen-Korridor oder von Möglichkeiten für die Ausrichtung anderer olympische Disziplinen.

Das Referendum hat nun diesen Plänen - jedenfalls in einem olympischen Rahmen - die Grundlage entzogen.

 - Es ist ärgerlich, dass wir nun keine Olympiade so nahe bei Kopenhagen sehen werden. Aber wir respektieren natürlich diese demokratische Entscheidung, sagte der Kopenhagener Oberbürgermeister Frank Jensen in einem Kommentar.

- Allerdings liegt ein grosses Potenzial in der zukünftigen Ausrichtung gemeinsamer Events mit Hamburg. Daran werden wir zielstrebig weiterarbeiten, so der Oberbürgermeister.

Zuletzt richtete Frank Jensen mahnende Worte an den IOC:

- Es gibt auch gute Gründe dafür, dass der IOC selbstkritischer werden sollte und er sich dafür einsetzt, dass die Olympischen Spiele nicht so eine grosse und unüberschaubare Show werden, dessen Ausrichtung sich nur noch reiche Ölstaaten und Diktaturen leisten können.

IOC: "Nicht ganz überraschend"

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) bedauerte das Votum zwar, bezeichnete es aber - überraschenderweise - als "nicht ganz überraschend". Es sei verständlich, dass die Einwohner Hamburgs in einer Situation, in der Deutschland mit der hohen Anzahl von Flüchtlingen eine historische Herausforderung zu bewältigen habe, auf die nicht geklärte Finanzierung "sensibel reagiert haben".

Vor diesem Hintergrund sah das IOC "die hohe Zustimmung" von 48,4 Prozent in Hamburg und der deutlichen Mehrheit in Kiel von 65,6 Prozent als "besonders wertvoll". Es unterstütze die Argumentation des DOSB zur Bedeutung Olympischer Spiele.

Auch die Bundesregierung zeigte sich enttäuscht: "Olympia in Hamburg wäre eine tolle Chance gewesen. Es ist sehr schade. Man wird nun überlegen, woran es gelegen hat", sagte Bundesfinanzminister Wolfgang  Schäubleam Abend des Referendums in einer TV-Talk-Show: "Wir hätten alles daran getan, es finanziell zu stemmen. Der Bund hätte Hamburg unterstützt, wenn auch nicht so, wie sich Hamburg das vorgestellt hatte."

Hamburg hatte um eine Co-Finanzierung von 6,2 Milliarden Euro gebeten, die von der Bundesregierung vor dem Referendum allerdings nicht abgesegnet worden war.

 (Aktualisiert am 1.12.2015)    
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