Fehmarn-Infrastruktur schafft neues Szenario
29-04-2015Infrastructure
Das Potenzial im Zuge der zukünftigen festen Fehmarn-Querung wird unterschätzt. Die dynamischen Effekte würden nur selten von den Kalkulationstabellen der Verkehrsforscher erfasst, argumentiert Kopenhagener Geographie-Professor in einem kürzlich veröffentlichtem Memorandum.

Das Potenzial im Zuge der zukünftigen festen Fehmarn-Querung wird unterschätzt. Die dynamischen Effekte würden nur selten von den Kalkulationstabellen der Verkehrsforscher erfasst, argumentiert Kopenhagener Geographie-Professor in einem kürzlich veröffentlichtem Memorandum.

Infrastruktur schafft eine neue Bühne, auf der sich eine gesellschaftliche Entwicklung neu entfaltet: Die Entstehung von funktionellen, grenzüberschreitenden Metropolregionen, in denen Skaleneffekte geschaffen und neue Spezialbereiche entwickelt werden können.

In einem kürzlich in Dänemark veröffentlichten Memorandum betont Professor Christian Wichmann Matthiessen vom Institut für Geographie, Universität Kopenhagen, wie wichtig es sei, die entstehenden neuen Möglichkeiten im Zuge der Entstehung der festen Fehmarnquerung voll zu nutzen.

"In Hamburg, Schleswig-Holstein, Kopenhagen  und der Öresundsregion leben etwa 8 bis 10 Millionen Menschen. Die Schaffung einer stärkeren Verknüpfung  dieser Regionen  ist sicherlich realistisch. Kürzere Reisezeiten von und zu den Grossräumen Kopenhagen-Malmö und Hamburg-Lübeck-Kiel bieten verstärkt Möglichkeiten zur Entwicklung und Neubelebung unternehmerischer und wissenschaftlicher Zusammenarbeit, zum Ausnutzen von neu entstehenden Skaleneffekten und zur Schaffung von neuer Spezialisierung, sagt Professor Wichmann Matthiessen imFemern A/S Newslettervom 22. April.

Nicht alles durch trockene Zahlen belegt
Die dynamischen Effekte würden im Grossen und Ganzen kaum von den Kalkulationstabellen der Verkehrsforscher erfasst. Auch die Fehmarn-Prognose erfasse nur wenig zusätzliches Verkehrsaufkommen. Denn die zeige nur, wieviel Verkehr  von anderen Routen übernommen werde, und wie hoch die Anteile am steigenden Verkehrsgesamtaufkommen der festen Fehmarnquerung zugerechnet werden könnten, meint Wichmann Matthiessen.

"Die geltenden Prognosen unterschätzen wahrscheinlich das Gesamtpotenzial. Aufblühende Unternehmen, neue Möglichkeiten in einer Stadt zu arbeiten und in einer anderen zu leben, neue Kooperationen, neue Arbeitsplätze. Das haben wir gesehen, als die Grosse Belt-Brücke eröffnet wurde. Wir haben es gesehen, als die Öresundquerung eine Realität wurde. Und das erwarte ich auch, wenn die feste Fehmarnquerung in Betrieb genommen wird, und wir dann den Fehmarn Belt in weniger als zehn Minuten passieren können ", betont der Professor, zugleich Vorsitzender des Expertenbeirates der STRING-Kooperation.

"Es sind die Unternehmen, die über die Muskeln verfügen, wenn es um die Wettbewerbsfähigkeit geht. Deshalb sind deren Rahmenbedingungen im Fokus - und müssen es auch sein. Es sind die Leistungen einer einzelnen Stadt oder einer Region,die von Unternehmen, der Logistik, von  Institutionen, Universitäten, und vom Kulturbetrieb nachgefragt werden. Diese sind für den Erfolg wesentllich, zusammen mit den Nutzungskosten. Die Fehmarnquerung wird somit einen völlig neuen Markt durch eine stark erweiterte Zugänglichkeit eröffnen, sagt Wichmann Matthiessen.

Neuer Knotenpunkt in europäischer Perspektive
Mit dem Tunnel unter dem Fehmarn Belt und der Erneuerung der Infrastruktur auf beiden Seiten der Querung  wird der wichtigste Knotenpunkt Skandinaviens gestärkt - nämlich dort, wo die kontinental-europäischen Bahnverbindungen auf die skandinavischen treffen. Hier gibt es - neben einer Reihe wichtiger Häfen, auch den grössten Flughafen und internationale Drehscheibe im Norden, den Kopenhagener Airport CPH. Dieser Flughafen sichert die internationale und globale Zugänglichkeit von und zur Region.

Die Fehmarnquerung bindet Skandinavien und Norddeutschland zusammen. Aber sie verbindet auch Skandinavien mit dem Rest Europas. Europa wird kleiner, während Handel, Integration und das Wissensniveau weiter wachsen.

"All dies sind nicht Bestandteile der Kalkulationstabellen von Verkehrsforschern. Aber es sind wichtige Vorraussetzunghen für Dänemark, für Skandinavien und für Europa", meint Professor Wichmann Matthiessen.

Das Memorandum wurde auf Anforderung der staatlichen Femern A/S erstellt und ist ein Follow-Up einer umfassenden Studie mit dem Titel: "Feste Fehmarnbeltquerung: Regionale Entwicklungsperspektiven"; Red.: Christian Wichmann Matthiessen, div. Autoren; Hrsg.: Femern A/S, Syddansk Universitetsforlag, 2011

Lesen Sie das Memorandum hier (englisch)

Lesen Sie das Memorandum hier (dänisch)