Feste Fehmarnbelt-Querung – ein Korridor für die Menschen
30-09-2016Infrastructure
Der Fehmarnbelt-Tunnel muss erst von den Bürgern und Öffentlichkeit positiv angenommen werden, wenn er das volle Potenzial als ein starker Wirtschaftsfaktor, der auf nachhaltigem Wachstum baut, entwickeln will.

Das Auditorium an der Hafencity Universität in Hamburg, Menschen in dunklen Anzügen.

Menschen in langsamer Bewegung, kontinuierlich zu freien Stühlen, Reihe an Reihe, den ganzen Weg bis zum hinteren Ende des Auditoriums. Stimmen und Händeschütteln, kleine Reden, Austausch von Visitenkarten, ein ansteigendes Summen von Stimmen erfüllt die Luft.

Die Leute, ob Presse, Politiker oder Unternehmer, haben sich auf den Weg nach Hamburg gemacht, um den Fehmarnbelt Days beizuwohnen; einer dreitägigen Konferenzveranstaltung um zu Netzwerken, um eine neue Perspektive zu entdecken oder Fallbeispiele bezüglich der Etablierung des Fehmarnbelt-Tunnels zu präsentieren.

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Klick! Die Fehmarnbeltdays waren offen für jeden, der neugierig war - und während der Veranstaltung gab es viele Aktivitäten in den sozialen Medien. 

- Der Fehmarnbelt-Korridor kann eine neue europäische Makroregion mit 9,5 Millionen Menschen schaffen, mit einem hohen BNP-Niveau und einem enormen Wachstumspotenzial. Das ist ein Geschenk, welches uns auch laufend immer wieder Neues geben kann, sagt der EU-Koordinator für den ScanMed-Korridor, Pat Cox.

Am Mittwochnachmittag sind die Stuhlreihen vor einem Podium mit interessanten Zuhörern gefüllt: Auf dem Podium hat das politische Netzwerk STRING sechs kleine Tische aufgestellt, alle mit Mineralwasser und Mikrofon versorgt.From Politics to Growth and Development - a cross border mind-setist das Thema der Veranstaltung, in der ein Panel darüber diskutiert, wie das Wachstumspotenzial der Region zu erschließen wäre; in einer Region, die sich von Hamburg in Deutschland über Sjælland und Kopenhagen in Dänemark bis nach Skåne und Malmö in Schweden erstreckt.

 

Jeden Gewinner werden lassen

- Wenn die Feste Querung ein Erfolg werden soll, müssen die Menschen fühlen können, dass es auch ihr Projekt ist. Wenn sie die Unterstützung der Öffentlichkeit gewonnen hat, wird sie auch ganz sicher ein Erfolg werden, sagt der EU-Koordinator für den ScanMed-Korridor, Pat Cox.

Dieser Standpunkt wird weit über die Diskussionsrunde hinaus geteilt, von Vertretern der Kreativwirtschaft, des Handels, der Stadtentwicklung, der Bildung bis hin zur Politik.

Auch wenn der Fehmarnbelt-Tunnel ein beeindruckender Bau eines 18 Kilometer langen Absenktunnels darstellt, aus massiven Beton, mit zwei zweispurigen Fahrbahnen für Autos und einem Hochgeschwindigkeitsschienenweg, der es erlaubt, von Hamburg nach Malmö in nur zweieinhalb Stunden zu reisen, ist er zugleich ein Mittel zur Verwirklichung einer größeren Vision von einem nachhaltigen Wachstum.

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Paneldiskussion mit u.a. EU-Koordinator Pat Cox, Monica Schofield, TuTech Innovation, Jenny Kornmacher, Hamburg Kreativ Gesellschaft und Björge Köhler, AStA-Vorsitzender an der HafenCity Universität.

Eine starke grenzübergreifende Infrastruktur könnte in der Lage sein, mehr Unternehmen anzulocken, weitere Arbeitsplätze zu schaffen, erweiterte Austauschprogramme für Studenten zu ermöglichen und die Bedingungen für Kultur und Tourismus zu verbessern.

So jedenfalls  sind die Erfahrungen aus früheren Projekten.

Allerdings haben die gleichen Erfahrungungen gezeigt, dass nachhaltiges Wachstum nur gesichert werden kann, wenn Bevölkerung und Zivilgesellschaft von Anfang an in den Prozess integriert wird.

Die Menschen müssen in die Lage versetzt werden, den Sinn des Zusammenwachsen verstehen zu können und den Kontakt mit mit den Nachbarn auf der anderen Seite des Fehmarnbelts zu suchen.

- Das Fehmarnbelt-Projekt kann man in gewisser Weise mit dem Brexit vergleichen, wo nur die Mehrheit der Londoner und die Bürger in den Elite-Gebieten für einen Verbleib in der EU gestimmt haben. Wir müssen sicherstellen, dass sich jeder als Gewinner des Fehmarn-Projektes sehen kann. Und nicht nur die gut ausgebildete Elite. Ich kann nicht zu oft diesen Punkt betonen, so Monica Schofield, Direktorin, Internationale Zusammenarbeit, TuTech Innovation in Hamburg.

 

In Deutschland leben, in Dänemark studieren

Die Idee der Festen Querung ist, Dänemark und Deutschland in einer Weise zu verbinden, welche in eine Welt passt, die sich immer mehr vernetzt. Bisher hat nur eine Fährverbindung die Inseln Fehmarn und Lolland miteinander verbunden. Die Reise dauert eine dreiviertel Stunde.  Steht der Tunnel, wird die Reisezeit weitaus kürzer.

- Man wäre somit in der Lage, für einen Vortrag am Tage zur Kopenhagener Universität zu fahren, um dann zum Abendessen wieder daheim zu sein? fragt der Moderator der Podiumsdiskussion, Marc-Christoph Wagner.

Worauf der Vorsitzende des AstA der HafenCity Universität promt antwortet:

- Das wäre für mich schön so!

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Es gab Zeit für große Träume und kleine Gespräche zwischen den mehr als 30 Workshops, Veranstaltungen und Diskussionen.

 

Die letzte Rede der Veranstaltung hält der neue STRING-Vorsitzende, Steen Bach Nielsen.

Neben einer Pyramide von Plastikbauklötzern in schwarz, blau, orange, weiß, rot und gelb stehend - Aufschrift: FEH - MARN - BELT - DAYS - 2016 -, verdeutlicht er die Vision der festen Querung alsGamechangerim europäischen Handel.

Kurz bevor die Zuhörer sich in Wellen zu den Ufern des Nachmittagskaffees bewegen, erklärt er, wie:

- Um den Fehmarnbelt zu einer Region für jedermann zu machen, müssen wir das Bewusstsein für die Vorteile und Möglichkeiten auf nationaler und europäischer Ebene, welche die feste Querung für die Region mitbringt, stärken, so Bach Nielsen.

Im STRING Sekretariat nimmt ein konkreter Aktionsplan Gestalt an. STRING-Geschäftsführer Jacob Vestergaard findet Inspiration im deutschen Modell, welches Diskussionsforen und öffentliche Diskussionen vorsieht:

- Wir möchten einen Dialog starten, in der die Zivilgesellschaft Möglichkeiten bekommt, ihre Forderungen und Wünsche zu artikulieren, und vorzuschlagen, wie diese umzusetzen wären. Wir wollen alles um das Thema Fehmarnbeltquerung herum beleuchten:  Ist das Wachstumsziel grün genug? Funktionieren Austauschprogramme in bester Art und Weise? Kann der Personen- und Güterverkehr optimal funktionieren? so Vestergaard abschliessend.