Hamburg-Kopenhagen auf dem Weg zu einer global wettbewerbsfähigen Mega-City
Von Wolfgang Schmidt, Staatsrat, Freie und Hansestadt Hamburg und Steen Bach Nielsen, Region Sjælland, Vorsitzender, STRING

Seit der Antike hat die Schaffung von Infrastruktur den Nährboden für neue Perspektiven, für Wachstum und Entwicklung geliefert. Häfen und Kreuzwege entwickelten sich zu Städten, wo Handel, Produktion, Transport und Handwerk aufblühten, und wo sich Bevölkerung, Wissen und Macht konzentrierte.

Deshalb ist der massive Ausbau der Infrastruktur, den wir in den kommenden Jahren im Zuge des Fehmarn-Projektes in Dänemark und Norddeutschland erleben werden, ein Kickstarter zu einer völlig neuen Entwicklung in Nordeuropa.

Durch die neuen Strassen-  und Eisenbahnwege zwischen Kopenhagen und Hamburg wird die Mobilität im gesamten Korridor markant gestärkt. Die Transportzeiten zwischen den beiden Metropolen wird auf nur etwa 2 ½ Stunden verkürzt werden. Die Städte entlang dem Korridor bekommen moderne Bahn- und Autobahnanbindungen; die Mobilität für Waren, Dienstleistungen und Menschen wird auf der ganzen Strecke sichtbar verbessert. Neue Märkte und neue Entwicklungsmöglichkeiten in einer markant erweiterten Geographie werden plötzlich Realität. Auch werden sich neue Relationen zwischen Menschen und Unternehmen entwickeln.

Wir sehen es in anderen Regionen dieser Welt: Seattle in den USA und Vancouver in Kanada werden durch  eine neue Hochgeschwindigkeitsbahn, die 2023 fertiggestellt sein soll, zu einer Mega-City zusammenwachsen. Es gibt weitere Beispiel in den USA und in Japan. 

Überall dort konzentrieren sich politische und wirtschaftliche Kräfte, sowie vitale Verwaltungsfunktionen.

Wir werden eine ähnliche Entwicklung zunächst zwischen Kopenhagen/Malmö/Lund (die ja schon durch die Öresundsverbindung verknüpft sind) und Hamburg sehen. Die Verschmelzung zwischen Greater Copenhagen und der Metropolregion Hamburg wird eine Grossstadtregion mit mehr als 10 Millionen Menschen schaffen. Und das ist noch nicht alles: In Schweden diskutiert man aktuell Hochgeschwindigkeitsbahnen, die auf längerer Sicht die Transport- und Reisezeiten zwischen Stockholm und Malmö, sowie zwischen Oslo und Malmö beträchtlich verkürzen werden. Und wenn diese Entwicklung abgeschlossen ist, kann die "Mega-City Skandinavien" mit etwa 20 Millionen Einwohnern Realität werden - mit Hamburg, Stockholm, Oslo, Malmö und Kopenhagen als Knotenpunkte.

Es ist diese Perspektive, in der unsere Arbeit zur Entwicklung des STRING-Korridors zwischen Skåne und Hamburg gesehen werden muss. Wir müssen unsere Planungen auf eine Fusion der Wirtschaftskraft, der Kompetenzen, der Werte und der sozialen Sicherheit der Bürger in einem zusammenhängenden Stadtgefüge ausrichten, welches sowohl in Europa, aber auch auf globaler Ebene, ein starkes Aktiv in der internationalen wirtschaftlichen und politischen Entwicklung sein wird. Eine Mega-Stadt, mit den beiden Metropolen Hamburg und Kopenhagen als Zentren,  aber mit einer dynamischen Entwicklung des Gebietes zwischen und um diese Zentren herum, die eine über die Zeit stetig zusammenwachsende Einheit auf einer Strecke von über 300 km schafft.

Diese neue nordeuropäische Mega-Stadt zwischen Hamburg und Kopenhagen hat klare Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft: Unsere sozialen Systeme sichern den Bürgern Bildung, soziale Sicherheit und einen hohen Lebensstandard. Unsere Industrie und unsere Universitäten haben ihre Stärken in den Bereichen Gesundheit und Umwelt - zwei ganz entscheidende Faktoren für die Anpassung an Klimawandel und Bevgeste Entwicklung in Nordeuropa.

n Zusammenarbeit mit dem die wir zusammenfe Einheit mit einer dynamischen entwicklungVorsitsendölkerungsentwicklung. Es existieren Kompetenzen und wirtschaftliches Potenzial, die wir zusammenführen müssen - zunächst im STRING-Korridor, aber auf längerer Sicht auch in einer engeren Zusammenarbeit mit dem übrigen Schweden und Norwegen.

Die politische und planungsmässige Herausforderung besteht darin, dass wir gezwungen sind, uns von nationalem Lösungsmodellen zu verabschieden. Wir müssen Lösungen finden, die über die nationalen Grenzen hinaus Unternehmen und Bürgern erlauben, ihren Alltag mit grösstmöglicher Frexibilität planen zu können. Wir müssen Lösungen schaffen, die ein ungehindertes Arbeiten und Leben in verschiedenen Ländern erlauben. Und wir müssen eine Infrastruktur schaffen, die kundenfreundlich und lösungsorientiert ist und welche die CO2-Emissionen im Transportsektor spürbar reduziert, indem Transport von der Strasse auf die Schiene verlagert und wobei der mit fossilen Brennstoffen betriebene Strassentransport auf alternative Energieformen umgestellt wird.

Wir können eine radikale Steigerung der gesamten globalen Wettbewerbsfähigkeit erreichen, wenn wir die die Herausforderungen der kommenden Jahre ohne Rücksicht auf nationale Begrenzungen, dafür aber mit effektiven und funktionellen Lösungen gemeinsam anpacken:

Nordeuropa ist mit führend in der Welt, wenn es um grüne Umstellung, soziale Sicherheit und Gesundheit geht. Sowohl im Bereich Forschung und Innovation, als auch als integrierter Teil unserer politischen Entscheidungssysteme und der öffentlichen Meinung.

Daher ist es wichtig, dass wir das grüne Gesellschaftsmodell und die Kernkompetenzen unserer Unternehmen als Hebel für unsere eigene Weiterentwicklung benutzen, aber auch, um unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Wir müssen die Innovation der Unternehmen und die Forschung an den Universitäten fördern.

STRING möchte dazu beitragen, Kooperationen auf den Weg zu bringen, Wissen zu verbreiten und zu teilen, sowie die besten Rahmenbedingungen zu schaffen, damit unsere Unternehmen Zukunftslösungen liefern und erproben können. 

Die Etablierung der European Spallation Source, ESS, in Lund, sowie die Etablierung von DESY und XFEL in Hamburg, wird uns in zehn Jahren weltweit zur führenden Region auf dem Gebiet der Materialienforschung positionieren. Dieses müssen wir ausnutzen, um dadurch weitere Kompetenzen und Unternehmen für die Region zu gewinnen.

Aber auch im gesamten Life-Science-Sektor, ITC, in der Meeresforschung, der Entwicklung und im Bereich der Kreativindustrie besetzen wir Führungspositionen, die noch weiter ausgebaut werden können. Durch Kooperationen zwischen Unternehmen, sowie dem privaten und dem öffentlichen Sektor, können wir unsere Position weiter verbessern. 

Die STRING-Partner wollen zu weiteren Kooperationen im Korridor ermutigen. Wir werden durch Begegnungen, Konferenzen und den Fehmarnbelt Days versuchen, eine innere Dynamik zu starten,  welche durch die Begegnungen von Menschen entstehe kann, die die Möglichkeiten in einem neuen und enger verknüpften Korridor erforschen wollen.

Die Erzählung von der Mega-Stadt, die in den kommenden Jahrzehnten weitergeschrieben werden wird, ist nicht die Erzählung von Stahl und Beton und einer politischen Elite - sie ist die Geschichte von der Begegnung von Menschen, bei der neue Ideen entstehen, neue Möglichkeiten und grösserer Ertrag in den Bereichen Wirtschaft und Lebensqualität.

Wir müssen dieser Entwicklung mit gleichen Teilen Neugier und Handlungsfähigkeit begegnen.